MdL Christoph Rabenstein: Innenministerium stuft weitere Bands aus Oberfranken als rechtsextrem ein

07. März 2018

Bayreuth/München. Fünf von zehn aktiven rechtsextremen Bands in Bayern kommen aus Oberfranken – das ergab die Antwort auf eine schriftliche Anfrage des oberfränkischen SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Christoph Rabenstein ans Bayerische Innenministerium. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht, werden nun auch – neben den bereits im Verfassungsschutz 2016 genannten Bands „Burning Hate“, „MPU“ und „White Rebel Boys“ – die beiden Musikgruppen „Eskalation“ und „Nordwind“ vom Innenministerium als rechtsextrem eingestuft.

Drei der Bands kommen laut dem Staatsministerium aus dem Raum Hof, eine Band aus dem Raum Forchheim, eine wird allgemein in Oberfranken verortet. „Die Nähe zu Sachsen, Thüringen und zur Tschechischen Republik ist sicher ein Grund, warum besonders in Oberfranken viele rechtsextreme Bands aktiv sind. Die oberfränkische Neonazi-Szene ist dort seit vielen Jahren gut mit anderen rechtsradikalen Gruppierungen vernetzt“, sagt der Sprecher für die Bekämpfung des Rechtsextremismus in der SPD-Landtagsfraktion.

Das Gefühl, „abgehängt zu sein“, stecke noch immer in den Köpfen vieler junger Menschen, die in ländlichen Regionen wohnen, vermutet Rabenstein. Das würden rechtsextreme Kräfte weiterhin für ihre Zwecke nutzen, auch wenn in den vergangenen Jahren viel gemacht wurde, um Perspektiven für junge Menschen zu schaffen. „Deshalb muss der ländliche Raum weiter gestärkt werden, damit sich dort rechtsextreme Strukturen gar nicht mehr festsetzen können“, sagt Klaus Adelt, SPD-Landtagsabgeordneter aus Hof.

Rabenstein sieht in den Konzerten eine potenzielle Einstiegsdroge für junge Menschen in die Radikalität. Statt auf Versammlungen, bei denen dumpfe Parolen geschwungen werden, setze die Szene auf vermeintlich unpolitische Musikkonzerte. „Hier muss die Politik reagieren: Wichtig ist, Jugendliche vor solchen Veranstaltungen zu warnen und sie aufzuklären, dass es sich bei den Rechtsrockkonzerte um brandgefährliche Veranstaltungen handelt, die rechtsextremes und menschenverachtendes Gedankengut transportieren.“

Info I: Auch Kommunen können auf rechtsradikale Veranstaltungen reagieren: Das Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr hat hierzu im Jahr 2014 einen Leitfaden zum Umgang mit sogenannten Rechtsrockkonzerten und vergleichbaren Veranstaltungen veröffentlicht. Darin werden die in diesem Zusammenhang relevanten Rechtsfragen (auch außerhalb des allgemeinen Sicherheitsrechts) in komprimierter Form dargestellt sowie konkrete Handlungsempfehlungen gegeben.

Info II: In der Antwort des Staatsministeriums werden die Bands „Burning Hate“ (Raum Oberfranken), „MPU“ (Raum Hof) „White Rebel Boys“ (Raum Hof) „Eskalation“ (Raum Hof) und „Nordwind“ (Raum Forchheim) als rechtsextrem eingestuft. Letztere ist in unterschiedlichen Besetzungen bereits seit den 90er Jahren aktiv und war unter anderem auf der „Schulhof-CD“ der NPD vertreten. Laut Verfassungsschutzbericht 2016 ist die Band „Burning Hate“ seit 2005 aktiv. Oft wird sie der National-Socialist-Hardcore-Szene zugerechnet. Die White Rebel Boys“ waren in der Vergangenheit unterem bei einem Nazirock-Konzert in Ungarn dabei, das vom rechtsextremistischen Netzwerk „Blood & Honour“ organisiert wurde. Zudem gibt es personelle Verbindungen zwischen ihnen und der ebenfalls als rechtsextrem eingestuften Band „MPU“.

Siehe auch den aktuellen Artikel vom 7.3.2018 in der Frankenpost

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